Die Residenz am Mondsee

Der schwarze SEL hält geräuschlos vor dem Eingangstor der Residenz. Ein großer schwarzhaariger Mann steigt aus und geht zum Pförtnerhaus während das Auto davon fährt.
     "Mein Name ist Dr. Schneider. Bitte, melden Sie mich bei Herrn Schwarzheide an."
Oskar, der Pförtner, ist von der Präsenz des Mannes so eingeschüchtert, dass er ohne Rückfragen das kleine Tor für den Personenverkehr öffnet.

Mit einem leichten Nicken bedankt sich der Besucher und geht mit kräftigen Schritten die schnurgerade Alle mit ihrem uralten, mächtigem Eichenbestand zum Empfang hinauf. Einen kleinen Abstecher in die mit Buchsbaum eingefassten Blumenrabatten, deren Schönheit er beglückt in sich aufnimmt, nutzt er, um das vorzüglich renovierte kleine Schlösschen und die daneben sich elegant im weiten Abstand auf einem Halbkreis angelegten sechs Wohngebäude im Stil der modernisierten Gründerzeit in sich aufzunehmen. Er ist zufrieden, hier wird er eine angemessene Wohnung für die nächsten Jahre finden. Er umrundet den weißen Brunnen, in dem das Wasser über fünf Sandsteinkaskaden unberührt von der Zeit vor sich hin plätschert. Er nickt der Dame im Empfang zu und setzt sich wortlos in eines der bereitstehenden de Sede Sofas.

     "Ein Dr. Schneider möchte Sie sprechen, dringend wie er betont. Etwas selbstbewusst der Herr. Er will nur mit Ihnen sprechen. Vertraulich.
     "Muss das ein? Ich muss die Zahlen hier durchgehen. Das passt mir jetzt gar nicht.", Werner Schwarzheide blickt mit zusammengezogenen Augen seine langjährige Sekretärin, Frau Elsa Kummenbiel, an. Wie immer zeichnen sich die Formen ihres Busens deutlich unter dem engen Pullover ab. Er genießt es. Seine Freunde im Golfclub beneiden ihn um seine Sekretärin. Alle glauben, er hätte was mit ihr, aber da ist nichts. Sie ist das blonde langhaarige Schmuckstück seines Vorzimmers.
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Beinahe ein Unfall

Noch einmal durchatmen, entspannen - Zündschlüssel. Der Motor springt an. Rückwärts aus der Parklücke. Erster Gang rein - denk dran: fahr langsam, links halten, bleib ruhig, hier herrscht das Chaos, dies ist Thailand und Pattaya ist rücksichtslos. Und bloß nicht auf Hahnenkämpfe einlassen. Die Bar in Naklua läuft dir nicht weg. Ist doch egal ob du in 35 oder 60 Minuten ankommst.
Kann der Arsch nicht ein bisschen weiter rechts fahre, dann wäre ich jetzt schon aus der Einfahrt raus. Alles frei, rauf auf die rechte Spur.
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Ein Dorf ohne Kneipe (Wolfgang Rill)

Eduard Harnischfeger streicht das Wechselgeld ein. -Weißt du, Paul, was das Zweittraurigste ist?- lallt er.
-Nein.- - Ein Dorf ohne Kneipe. Und weißt du, was das Traurigste ist? Ein Dorf mit dei­ner Kneipe.-
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Das Abendkleid (H-R. Huly)

Silvi sah ihrer Schwester Ruth zu, wie sie vor der unaufgeräumten
Küchenzeile hin und her lief.
"Ruth, du nervst, setz dich hin. "
"Du hast gut reden. Du brauchst ja nur einen sexy Fummel für die Disco."
"Und du etwa nicht?"
"Nein, ich gehe mit Peter aus."
"Peter, wer ist das denn?"
"Peter ist Student, richtig an der Uni."
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Abstehende Ohren (Wolfgang Rill)

Guten Tag, Herr Fuchs, es freut uns sehr, dass Sie Zeit gefunden haben, heute in unserer Sendung „Der besondere Gast am Sonntag“ aufzutreten. Sie haben ja einen bemerkenswerten Beruf, der heutzutage, leider, muss man vielleicht sagen, in die politische Weltlage passt. Sie sind Doppelgängerindentifakator. Sagen Sie, was macht ein Doppelgängeridentifikator?
Er identifiziert Doppelgänger.
Und das ist ein Beruf? Für wen arbeiten Sie denn in diesem Beruf? Bevor Herr Fuchs antwortet möchte ich die Hörer an den Radiogeräten draußen im Land darauf hinweisen, dass Herr Fuchs nicht der wahre Name unseres heutigen Gastes ist. Zwar ist er, nennen wir ihn weiter Herrn Fuchs, inzwischen im Ruhestand, nur deswegen gibt er dieses Interview, aber gewisse Vorsichtsmaßnahmen sind dennoch nötig. Wir werden, so hoffe ich, erfahren, warum. Wir dürfen gespannt sein. Also noch mal die Frage, die wie aus einem Agentenroman klingt: Für wen arbeiten Sie, Herr Fuchs?
Ich arbeitete für die verschiedensten Auftraggeber. Oft waren es große, internationale Organisationen. Ich will es nicht verschweigen, auch Geheimdienste waren darunter. Manchmal aber auch Privatpersonen oder Firmen.
Nun, wir können davon ausgehen, liebe Hörer, dass nicht jeder Mann von der Straße einen Doppelgängeridentifikator braucht. Aber ist es nicht z. B. so, dass auch die Polizei oder die Kriminalpolizei Ihre Dienste in Anspruch nahm?
Durchaus.
Erklären Sie uns doch bitte: Was haben Sie da so gemacht?
Nun, wie soll ich anfangen? Fest steht, dass ich irgendwann eine besondere Fähigkeit in mir entdeckte.
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